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© Galerie Fotohof 2020

Kurt Kaindl "RAURIS, 1982-1983"

Kurt Kaindl, RAURIS, 1982-1983

Aus Rauris
Als ich 1982 und 1983 zu den Rauriser Malertagen eingeladen war, nahm ich mir vor, mit meiner Kamera ein möglichst umfangreiches und ausgewogenes Bild dieses Tales zu fotografieren. Die großartige Natur- und Kulturlandschaft sollte ebenso sichtbar werden, wie die auch damals schon problematischen Entwicklungen im Tourismus. Ich arbeitete mit einer relativ großen Rollfilmkamera, die mir für eine ruhige und überlegte Beobachtung von Mensch, Natur und Kultur angemessen schien. In bewusst statischen Bildern wollte ich die Oberflächen von Holz und Stein neben Landschaften und Gebäude, und diese wiederum neben Menschen und ihre Tätigkeiten stellen. Diese einzelnen Motive schienen mir wie Ankerpunkte, wischen denen sich das Leben des Dorfes mit seinen besonderen und alltäglichen Ereignissen entwickeln konnte Die Bildserie war wie eine Inventur des Tales gedacht, in dem nicht nur Besonderheiten und Auffälligkeiten, sondern auch das Typische und Alltägliche seinen Platz haben sollte.

Es war eine intensive Zeit des einsamen Wanderns und des gemeinsamen Entdeckens mit anderen bildenden Künstlern, die zur gleichen Zeit dort arbeiteten; mit vielen von ihnen verbindet mich bis heute eine Freundschaft. Die Wahl der Schwarz-Weiß-Fotografie schien mir eine logische Folgerung, um eine auf das Wesentliche reduzierte und möglichst lange gültige Form zu erreichen.

Wenn ich diese Bilder heute betrachte oder sie, wie zu den Literaturtagen 2013 in Rauris, wieder ausstelle, so scheint mir, sie haben ihre ursprünglich zugedachte Form behalten. Immer noch lässt sich an den fotografierten Motiven die Sicht auf eine Region und ihre Menschen verankern. Vieles lässt sich auch heute noch so wiederfinden wie vor mehr als dreißig Jahren, das Leben "dazwischen" hat sich natürlich verändert. Viele der abgebildeten Menschen leben nicht mehr, die Häuser sind saniert, viel Neues ist entstanden. Doch das Land und die Berge, die alten Häuser und die Spuren der Zeit sind immer noch sichtbar, obwohl das Tal sich den Änderungen der Moderne nicht verschlossen hat. Auch das Verhalten der Menschen in ihrem Alltag ist nach wie vor vertraut. Die Fotos habe die Zeit "aufgehoben" - im doppelten Sinn dieser Wortbedeutung.

Kurt Kaindl

Kurt Kaindl



Biographie Kurt Kaindl, geb. 1954, Studium der Germanistik und Kommunikationswissenschaft (Dr.Phil.), Mitbegründer der Galerie Fotohof in Salzburg. Herausgeber der "Edition Fotohof im Otto Müller Verlag". Publikation von Monographien und Kurator monographischer Ausstellungen (Fritz Macho, Harald P. Lechenperg, Inge Morath, Karl-Heinrich Waggerl, Stefan Kruckenhauser, Gerti Deutsch u.a.). Umfangreiche Lehrtätigkeit zur Fotografie und Kommunikationstheorie. Lebt in Salzburg, Österreich. Seine fotokünstlerische Arbeit umfasst vor allem die Darstellung historischer Lebensräume und Kulturtechniken ("Aus Rauris", "Wurzmühle", "Abfischen"). Seit 1999 in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Karl-Markus Gauß das Projekt "Die unbekannten Europäer" über Minderheiten in Europa und seit 2008 das Projekt "Reisen im Niemandsland" über den ehemaligen Eisernen Vorhang. Diese Projekte sind in gleichnamigen Büchern und Ausstellungen veröffentlicht. Ausstellungen 2014: Beteiligung an den Ausstellung "Grenzfälle - Eiserner Vorhang" in der Landesgalerie Linz und "Kunst-Geschichten" im Museum der Moderne Salzburg; Einzelausstellung "Reisen im Niemandsland" in der Atterseehalle in Attersee am Attersee.